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Mein Kampf gegen den Krebs

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Aufgeben ist keine Option

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April 2020

Kaum hat der April begonnen, schon geht es mit der nächsten Immun- und Chemotherapie weiter. Leider darf meine Frau mich diesmal nicht begleiten. Aufgrund der Coronahysterie dürfen aus Sicherheitsgründen nur noch die Patienten in die onkologische Ambulanz.

Und schon ist die dritte Runde der Immun- und Chemotherapie geschafft.  Ich sitze schon wieder zu Hause in meinem gemütlichen Sessel und schreibe an meiner Internetseite. Ich durfte wieder einige nette Menschen kennenlernen. Die Atmosphäre war heute deutlich ruhiger und entspannter als noch vor drei Wochen. Ich muss zugeben, es macht sich positiv bemerkbar, wenn niemand eine Begleitperson mitbringen darf.

 

Auch heute durfte ich wieder feststellen, dass mein Schicksal, oder wie immer man das nennen möchte, vergleichsweise gut zu ertragen ist. Bin ich doch bisher im Großen und Ganzen von Schmerzen und Operationen verschont geblieben und werde bei allem von meiner ganzen Familie und meinen Freunden unterstützt. So etwas allein durchstehen zu müssen, lässt mit Sicherheit alles mindestens doppelt so schwer erscheinen.

Obwohl die eigentlichen Infusionen nur etwa zwei Stunden gedauert haben, war ich von 9 bis 14.30 Uhr in der onkologischen Ambulanz beschäftigt. Die Infusionen habe ich bis jetzt ohne Nebenwirkungen vertragen. Wenn mein Körper ähnlich wie bei den letzten Gaben reagiert, wird das auch so bleiben. Um zu verhindern, dass ich mir noch einmal eine Infektion wie vorletzte Woche einfange, habe ich mir vorsorglich schon eine  Strategie zurechtgelegt.

Der weitere Plan sieht so aus, dass ich Ende April einen CT-Termin habe. Das ermöglicht dann endlich die Kontrolle, ob die Therapie auch messbare Erfolge bringt. Meine Hoffnung ist natürlich, dass der Haupttumor und die Metastasen in Lunge und Leber zumindest kleiner geworden sind. Aus heutiger Sicht ist vorgesehen, dass ich danach noch drei weitere Zyklen mit Immun- und Chemotherapie in Abständen von jeweils drei Wochen bekomme. Dann wird es eine weitere CT-Untersuchung geben. Bei entsprechendem Erfolg ist geplant, dann die Behandlung auf Dauer im selben Rhythmus, aber nur noch mit der Immuntherapie fortzusetzen. Eine konkrete Lebenserwartung oder meine zu erwartende körperliche Fitness ist nicht vorhersehbar. Es liegt wohl sehr viel, nein, fast nur an meinem Willen und meinem Einsatz, welche Ziele ich noch erreichen kann.

Im Moment bin ich erst einmal unheimlich dankbar, dass ich bisher nicht auf ein Sauerstoffgerät angewiesen bin und keine Schmerzen habe. Ich schaffe es sogar manchmal wieder, die zwei Stockwerke bis zur Wohnung ohne Pause und ohne Atemnot zu bewältigen. Zwar nur langsam, aber immerhin. Eine ganze Zeit lang brauchte ich mehrere Pausen und hatte trotzdem am Ziel heftige Atemnot und habe das nächstgelegene Fenster aufgerissen, um zumindest gefühlt wieder Luft zu bekommen.

Ich habe in den letzten Wochen, aber ganz besonders in den letzten Tagen, sehr viel aufbauenden und mutmachenden Zuspruch von Nachbarn, Kollegen und sogar Kunden erhalten, die weit über das Übliche hinaus gehen. Ich gehe hier verständlicherweise nicht auf Details ein, aber es ist mir ein Bedürfnis, mich auch auf diesem Weg ganz herzlich dafür zu bedanken. Es tut mir unendlich gut und hilft mir sehr beim gesund werden.

Auch heute, am fünften Tag nach der letzten Therapierunde, bin ich bisher von Nebenwirkungen verschont geblieben. Insgesamt fühle ich mich sogar etwas kräftiger. Das Einzige, was mich im Moment wirklich belastet ist, dass wir aufgrund der Sondersituation rund um Corona kein normales Familienleben mehr haben. Jeder hat Angst mich mit irgendetwas anzustecken und bleibt deshalb lieber auf Distanz. Aber wenigstens dürfen wir noch spazieren gehen und können so die Sonne genießen.

Meine Tage brauchen Struktur

Mir war von Anfang an klar, dass sobald ich aus dem Krankenhaus wieder nach Hause komme, sich sehr vieles ändern muss. Über das meiste habe ich hier schon berichtet. Es gibt da aber noch einen Punkt, der zumindest für mich, von sehr großer Bedeutung ist. Hinter der Aussage, meine Tage brauchen Struktur, verbirgt sich der Zwang zur Selbstdisziplin. In meiner Situation ist es zwar hilfreich gute Vorsätze zu haben, aber wirklich weiter kommt man nur, wenn man sie auch lebt. Deshalb beginne ich jeden Tag, egal welcher Wochentag es ist, zwischen 6 und 7 Uhr am Morgen. Ich durchlaufe dann eine relativ gleichbleibende Morgenroutine mit teekochen, Medikamente nehmen, E-Mails checken und Frühsport. Ich fahre auf dem Heimtrainer (leichteste Einstellung) ca. eine halbe Stunde, mache dann ein kleines bisschen Hanteltraining und zum Abschluss so viele Sit-ups, wie ich schaffe. Danach habe ich die Dusche dringend nötig. Da es für COPD-Patienten eine gewisse Herausforderung darstellt, zelebriere ich das in aller Ruhe. Nach dem Mittagessen schiebe ich nach Möglichkeit einen Mittagsschlaf ein und wenn das Wetter es zulässt, folgt am Nachmittag noch ein Spaziergang. Nach dem Abendessen gehe ich dann in der Regel früh schlafen. 

Ostern 2020

Auch elf Tage nach der letzten Chemo bin ich frei von Nebenwirkungen. Mir geht es körperlich verhältnismäßig gut. Trotzdem fühlt sich Ostern für mich dieses Jahr ganz merkwürdig an. Einerseits bin ich glücklich über meine Fortschritte, schließlich war einer meiner ersten Sprüche nach der Diagnose: "Wartet nur ab, an Ostern feier ich diesmal auch meine persönliche Auferstehung.", andererseits bin ich sehr traurig. Das liegt daran, dass man Ostern diesmal nicht mit all seinen Liebsten gemeinsam feiern darf. Dabei ist es genau das, was Ostern und letztendlich alles ausmacht: Gemeinschaft.

Nun ist Ostern schon wieder vorbei und der normale Alltag hat uns wieder. Schön wäre es. Leider haben die Verantwortlichen an den Schalthebeln der Macht dafür gesorgt, dass uns wichtige Grundrechte weiter entzogen bleiben. In unserem Land sterben täglich im Schnitt mehr als 2.000 Menschen über 65 Jahre. Meine Gedanken sind bei den Menschen, die jetzt die letzte Reise einsam und allein gelassen antreten müssen.  Eine Schande für ein zivilisiertes Land, die in meinen Augen durch nichts zu rechtfertigen ist.

Mir selbst geht es erstaunlich gut. Gefühlt habe ich den Krebs voll im Griff. Auf Rückfrage meiner Schwester habe ich das so formuliert: "Gestern habe ich erst nicht einschlafen können. Da war so ein seltsames Geräusch in meiner Lunge. Aber dann habe ich gemerkt, dass das nur das Heulen und Wimmern der sterbenden Krebszellen war."

Die Stunde der Wahrheit schlägt mir dann nächste Woche. Am Dienstag findet das Arztgespräch statt, in dem die CT-Untersuchung besprochen wird. Ungeduld und Vorfreude haben von mir schon längst vollständig Besitz ergriffen.

1. CT-Nachuntersuchung

Am Freitag fand, wie schon oben geschrieben, die erste CT-Nachuntersuchung statt. Heute, am Dienstag, den 28. April, hat die Nachbesprechung stattgefunden. Mein betreuender Arzt, ein sehr liebenswerter und kompetenter junger Mann, hatte offensichtlich viel Freude daran, mir die guten Nachrichten zu überbringen. Der Haupttumor in der Lunge und die große Metastase an der Leber sind deutlich verkleinert. Die Lymphknoten hingegen noch nicht. Das könnte aber an der Entzündung nach der 2. Chemo liegen. Jedenfalls hätte der neue Befund, nach so kurzer Zeit, aus meiner Sicht kaum besser ausfallen können. Für uns heißt dass, es geht mit unvermindertem Einsatz und eiserner Konsequenz weiter. Schon am Donnerstag gibt es Immun-und Chemotherapie Nr. 4. Aber heute feier ich den Befund erst einmal mit Rote Bete Saft und grünem Tee.

Der letzte Tag im April

Der April endet für mich mit der vierten Gabe der Immun- und Chemotherapie. Nachdem ich bereits am Dienstag in Frankfurt war, hat man mir nach dem tollen und supererfreulichen Arztgespräch schon Blut abgenommen. Da die Werte in Ordnung waren, war meine Therapie heute (Donnerstag) schon aus der "Giftküche" gekommen, bevor ich in die Ambulanz kam. Im Nordwestkrankenhaus nutzt man anscheinend die durch die Coronamaßnahmen entstandenen Leerstände sinnvoll zur Entlastung der onkologischen Ambulanz. So habe ich diesmal, ohne jede Wartezeit, sofort die Nadel für den Port gesetzt bekommen. Dann durfte ich in einen speziell freigeräumten Bereich im Krankenhaus, in dem ich, unter sehr netter Betreuung, in aller Ruhe den Cocktail genießen durfte. Total entspannt. Auch diesmal habe ich bisher alles prima vertragen und fühle mich richtig gut.

Ich mache das zwar eigentlich täglich, aber spätestens am Monatsende ist es Zeit Bilanz zu ziehen. Je mehr Kraft und Luft ich zurückgewinne, umso bewusster wird mir, wie knapp ich dem Tod von der Schippe gesprungen bin. Es haben wohl nur wenige Wochen gefehlt, dass der "Point of no Return" überschritten gewesen wäre. Nicht umsonst hatte ich wochenlang nur den Wunsch eine dauerhafte Beatmung mit Sauerstoff zu verhindern. Meine bisher erzielten Erfolge haben viele Väter und Mütter.

 

Mit Sicherheit waren es die Immun- und Chemotherapien, die die Tumore so schnell verkleinert und mir so wieder mehr Platz in der Lunge beschert haben. Mit den von mir sofort vorgenommenen Veränderungen (Ernährung, Mentaltraining, Bewegung) habe ich es geschafft, die Zeit bis zur schulmedizinischen Therapie gut zu überbrücken. Ich konnte anscheinend in den Wochen der Wartezeit zumindest das Wachstum der Tumore verlangsamen oder gar stoppen. 

 

Alleine hätte ich das nicht geschafft. Der viele Rückhalt, die grenzenlose Unterstützung und Liebe der Familie, der Freunde, der Bekannten, der Kollegen, der Vorgesetzten und sogar von Kunden, haben meiner Frau und mir die nötige Kraft gegeben. Ganz besonders wichtig sind für mich und meine Frau unsere beiden Söhne. Allein der Gedanke an die beiden setzt in mir alle verfügbaren Kräfte frei. Zu gerne möchte ich doch noch erleben, wie sie mit ihren lieben Freundinnen eigene Familien gründen und dann irgendwann so ein paar kleine Wunder zu uns Oma und Opa sagen.

Bilder aus dem April 2020

 

Jeden Tag geschehen Wunder. Wir müssen sie nur zulassen.