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Mein Kampf gegen den Krebs

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Aufgeben ist keine Option

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März 2021

Der März legt einen kühlen, aber sehr sonnigen Start hin. Meine nächste Gabe erhalte ich am Donnerstag nächster Woche, dem 11. März. Bis dahin habe ich keine weiteren Arzttermine. Ich habe also noch etwas Zeit, mich von der letzten Gabe zu erholen und mich fit zu machen. Wenn das Wetter weiter so schön bleibt, sollte das auch kein Problem sein. Auch heute konnten wir wieder einen für meine Verhältnisse ausgiebigen Spaziergang machen. Ausgiebig bedeutet bei mir im Moment so um die drei Kilometer mit leichten Steigungen. Ohne Steigungen geht auch ein wenig mehr. Jedenfalls werden wir auf unseren Runden gerne auch mal von Senioren überholt.

Heute ist die letzte Gabe 14 Tage her und bis zur Nächsten sind es noch 7 Tage. Gestern und heute gibt mir mein Sohn wieder die Bauchspritzen. Die Mukositis ist vollständig abgeklungen. Die Müdigkeit ist diesmal aber genauso hartnäckig wie das Augentränen, das Nasenbluten und die dicken Beine.

 

Eines der Präparate, die ich zur Eindämmung der Mukositis und ihrer Folgen einsetze, ist zur Zeit leider nicht lieferbar. Das ist ungewöhnlich und hoffentlich nur ein kurzfristiges Problem. Ich hoffe, dass mein Vorrat ausreicht, bis Nachschub zur Verfügung steht. Vorsichtshalber erhöhe ich jetzt insgesamt meine Vorräte. Aufgrund der derzeitigen Entwicklung würde es mich nicht überraschen, wenn sich solche Probleme nach und nach häufen. Die Grenzschließungen und die Quarantäne-/Testregelungen für LKW-Fahrer scheinen sich in einigen Lieferketten bereits bemerkbar zu machen.

Fünfzehn Tage nach der letzten Gabe fällt mir das Atmen wieder etwas schwerer. Ich hoffe, dass das nicht am Tumor und den Metastasen liegt. Vielleicht habe ich das Glück und es sind nur die Frühblüher, die mich ärgern. Das werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Ich finde es etwas schade, dass es wieder so kalt geworden ist, aber für Anfang März ist das ja völlig normal. Ich erinnere mich an Jahre, in denen wir hier bis in den Mai Schnee hatten. Genauso erinnere ich mich aber auch an Jahre, in denen wir schon im April anhaltend sommerliche Temperaturen hatten. Letzteres würde mir durchaus auch für dieses Jahr gefallen.

Gerade eben, während ich an meiner Seite schreibe, klingelte bei mir der Computer und gleichzeitig das Smartphone. Mein erster Anruf, den ich über Telegram erhalten habe. Ich war so überrascht, dass ich es kaum geschafft habe, den Anruf entgegenzunehmen.

Es war ein guter Freund. Wir haben uns die letzten Jahre etwas aus den Augen verloren. Leider hat er im Moment auch ein schweres Krebsleiden, aber genau wie ich hält er Aufgeben für keine Option. Der Anruf hat mich total gefreut. Leider muss er im Gegensatz zu mir viel Schmerzen ertragen. Wir haben früher gemeinsam Theater gespielt und waren auch beide im Vorstand der Theatergruppe. Auf ihn war
(und ist) immer Verlass. Seine Frau ist auch so eine Perle wie die Meine. Zwei überaus liebenswerte Menschen, denen man wahrhaft einen anderen Lebensabend wünscht. Aber was solls. Es ist, wie es ist und wir alle wachsen an unseren Aufgaben.

Das Wochenende war wunderschön. Wir waren sonntags mit meinem Kollegen und seiner lieben Frau spazieren. Es tut so gut, wenn man Umgang mit so liebenswerten Menschen hat. Der Kollege und ich haben über zwanzig Jahre zusammengearbeitet. Die meiste Zeit davon haben wir uns ein Büro geteilt und auf so mancher Dienstreise auch das Zimmer. Wir haben viel zusammen erlebt und haben uns immer sehr gut verstanden. Und wenn mal der eine den anderen genervt hat (darin bin ich übrigens ziemlich gut, eigentlich nahezu unschlagbar), hat man darüber kurz gesprochen und gut war's. Er ist für mich nicht nur Kollege, sondern ein richtig guter Freund.

Mittlerweile ist die letzte Gabe 17 Tage her. Die Mukositis ist kein Thema mehr. Alles andere ist geblieben. Ich habe mir mittlerweile eine spezielle Laborbrille besorgt, mit der ich die Augen sehr gut gegen Zugluft schützen kann. Ohne diese Brille habe ich in der letzten Zeit selbst bei kürzeren Spaziergängen locker ein Päckchen Taschentücher verbraucht. Mit dieser Brille komme ich auch bei längeren Spaziergängen mit einem einzigen Taschentuch aus. Ich sehe damit zwar aus wie das Sams ohne Wunschpunkte, aber dafür zaubere ich mit meinem Anblick vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Das ist doch auch was.

Zwei Tage vor der nächsten Gabe, bisher in Bezug auf die Nebenwirkungen immer die entspannteste Zeit für mich, stellt sich überraschenderweise im Mund das unangenehme Gefühl ein, dass die Mukositis auch ohne neue Gabe zurückkommt. Ich habe nicht die geringste Ahnung warum. Ehrlich gesagt finde ich das ziemlich überflüssig. Das Atmen ist auch nicht besser geworden, eher im Gegenteil. Leider fängt jetzt mein rechter Knöchel an mich immer öfter zu ärgern. Wahrscheinlich hängt das mit dem Wasser in den Beinen zusammen. Aber warten wir mal ab. Übermorgen bin ich ja wieder in der Ambulanz, da werde ich das alles mit meinem Arzt besprechen.

Was für ein Tag. Der Tag der 8. Gabe der 2. Therapie fing für mich um 4 Uhr morgens an. Hätte ich mich noch einmal hingelegt, hätte ich vielleicht verschlafen. Also ab auf den Hometrainer und danach ins Bad. Dann habe ich meine liebe Frau geweckt, Tee gekocht, meine Tasche gepackt und schon war es Zeit loszufahren. Wir sind gegen 6.45 Uhr gestartet. Nach der Blutentnahme kam diesmal erst das Arztgespräch. Das führte dazu, dass nach der Therapie noch mein rechter Knöchel geröntgt wurde und von meiner Kopfwunde eine Gewebeprobe genommen wurde. Der Knöchel macht immer mehr Beschwerden. Es handelt sich augenscheinlich nicht um eine Metastase. Den endgültigen Befund gibt es aber erst in den nächsten Tagen. Genauso verhält es sich mit der Gewebeprobe. Worum es sich dabei handelt, ist völlig offen, genauso wie die Wunde selbst. Sie weigert sich seit Monaten zu heilen und blutet meist mehrfach am Tag recht heftig. Es ist kaum möglich die Blutung zu stillen. Heute durfte auch mein Arzt diese Erfahrung machen.

Gegen 16 Uhr war dann alles erledigt. Ich musste aber noch bis ca. 16.30 Uhr warten, bis meine Frau ankam und mich einsammelte. Kaum auf der Autobahn kam im Radio "Unfall auf der A66, Vollsperrung" und so ziemlich zeitgleich standen wir auch schon im Stau. Glücklicherweise konnten wir noch bei Eschborn abfahren. Aber auch da war einiges los. Aber es ging wenigstens vorwärts und so zuckelten wir über Bundes- und Landstraßen. Ab Königstein ging es dann etwas flotter. Trotzdem brauchten wir für die Heimfahrt statt der üblichen 45 Minuten etwas über zwei Stunden. Ich war also ca. 12 Stunden in Sachen Therapie unterwegs. Jetzt nur noch eine Kleinigkeit essen und dann ab ins Bett. Das war, zumindest für mich, genug für einen Tag.

Humor

Ausgelöst durch ein Video (Krebs und Humor), dass mir meine liebe Tante aus Spanien via WhatsApp geschickt hat, möchte ich kurz etwas zum Thema Humor loswerden. Humor ist für mich schon immer wichtig. Humor gehört für mich zum Leben. Wir alle setzen Humor in den verschiedensten Situationen ein, nicht immer nur, um Spaß und Freude zu verbreiten. Ebenso oft wird Humor genutzt, um Menschen gezielt auf den Arm zu nehmen, zu blamieren, zu beleidigen, zu kränken, zu verärgern und zu verletzen. Auch ich kann mich davon nicht freisprechen. Aber in bin mittlerweile viel bewusster geworden und versuche immer wieder, meine spontanen Reaktionen zu überdenken, bevor ich wieder irgend eine Bösartigkeit raushaue, die sich die schützende Maske des Humors oder der Satire überzieht.

Humor kann etwas sehr Heilsames und auch Subtiles haben. Das Video der Muppets hat mir mein Sohn geschickt, als ich seiner Meinung nach ein mentales Tief hatte. Mal wieder ein Volltreffer.

Sehr zum Leidwesen meiner Frau stehe ich im Moment auf schwarzen Humor. Ganz besonders in Bezug auf mich und meine Situation. Mein jüngerer Sohn traut sich glücklicherweise auf diese Vorliebe einzugehen und ist Meister dieses Metiers. Einen besonderen Reiz haben dabei für mich doppeldeutige Aussagen. So kann ich eines Tages dem Tod mit einem Lächeln gegenübertreten und ihm jede Menge dumme Sprüche entgegenhalten, weshalb er noch etwas warten sollte. Vielleicht klappt es ja.

Wenn's nicht klappt: Ersatzlink

Wenn's nicht klappt: Ersatzlink

Wenn's nicht klappt: Ersatzlink

Heute ist schon Tag zwei nach der 8. Gabe. Die Nebenwirkungen haben sich bisher glücklicherweise noch nicht deutlich verstärkt. Dafür muss ich mich wieder mit dem Thema Reha-Antrag auseinandersetzen. Ich muss zugeben, das fällt mir sehr schwer. Ich möchte den Antrag eigentlich vermeiden, da ich in keine Maßnahme gehen möchte. Das hat viele Gründe. Ganz wichtig ist mir, dass ich nicht länger von meiner Frau getrennt sein möchte. Falls sich dann in einer Reha irgendetwas ergeben oder ereignen sollte, könnten wir uns nicht einmal sehen. Das geht gar nicht. Ich möchte mich auch weder einem erhöhten Infektionsrisiko oder einer Maskenpflicht aussetzen. Hauptgrund ist aber, dass mein behandelnder Arzt einer Reha nicht zustimmen würde, da die Therapie keinesfalls unterbrochen werden darf.

Bis zu meinen nächsten Terminen in der Onkologie werde ich das mit der Krankenkasse geklärt haben müssen. Meine nächste Gabe werde ich am 1. April bekommen. Das CT wird dann am 21. April stattfinden und die Nachbesprechung ist für den 22. April angesetzt.

Am vierten Tag nach der Gabe fängt die Mukositis wieder an Fahrt aufzunehmen. Noch nicht wirklich schlimm, aber seit heute Morgen krächze ich wieder wie ein altersschwacher Rabe, habe Halsweh und eine Zunge gefühlt so dick wie mein Bauch. Aber sie hat noch keine offenen Stellen und das freut mich sehr. Das kommt zwar bestimmt die Tage noch, aber das ist halt so. Vermutlich wird das eine reine Spaghetti-Woche. Natürlich haben wir rechtzeitig vorgesorgt und genügeng Spaghetti und Pesto im Haus. Von daher ist alles gut. Die anderen Nebenwirkungen, diese ewige Müdigkeit, die Beschwerden im Knöchel, das Kopf- und Nasenbluten, das Augentränen und das Wasser in den Beinen sind bisher konstant geblieben. Also letztlich ein ganz normaler Montag.

Tag sechs nach der Gabe bringt eine weitere Steigerung der Mukositis mit sich. Die Zunge ist deutlich angeschwollen und reagiert stark auf Berührungen und Temperaturen. Offene Stellen habe ich noch nicht, aber an meiner "Standardstelle" deutet es sich langsam an. Die restlichen Nebenwirkungen sind unverändert. Gefühlt schlafe ich die meiste Zeit des Tages, ohne irgendwann wirklich wach zu werden. Bestimmt hat das auch mit dem teilweise recht heftigen Aprilwetter zu tun. Das Atmen fällt mir wieder etwas schwerer, da es die letzten Tage und heute oft und heftig geregnet hat, werden das diesmal wohl kaum die Frühblüher sein.

Die letzte Gabe ist nun genau eine Woche her. Die Mukositis ist deutlich spürbar, aber noch lange nicht dramatisch. Bisher habe ich noch keine wirklich offenen Stellen. Ich habe es bisher geschafft, die eine (Standard-) Stelle (Unterseite Zunge hinten links), die gewöhnlich als erste und heftigste offene Stelle in Erscheinung tritt, noch geschlossen zu halten. Ein Lottogewinn, wenn das so bleibt, aber warten wir es ab. Jedenfalls kann man mir im Moment keine größere Freude als Spaghetti mit grünem Pesto und Pfefferminz-Kamillentee machen. Das Leben kann so einfach sein.

Acht Tage nach der Gabe hatte ich eigentlich erwartet, dass die Mukositis so richtig ausbricht. Aber weit gefehlt, sie fängt eher an abzuklingen. Ich kann das gar nicht fassen, nehme es aber wohlwollend zur Kenntnis. Aufgrund dieses Erfolgs habe ich eben eine Liste geschrieben, wie ich es aus meiner Sicht geschafft habe, die Mukositis in den Griff zu bekommen. Diese Liste kann sich gerne jeder herunterladen und beliebig weitergeben. Ich weiß zwar nicht, ob meine Vorgehensweise auch bei anderen Menschen funktionieren würde, aber jeder, der einmal Mukositis hatte, wird es sicherlich gerne einmal probieren. Es würde mich sehr freuen, wenn ich damit jemandem helfen kann.  Die Liste als PDF

Die übrigen Nebenwirkungen sind unverändert geblieben. Mein behandelnder Arzt hat sich heute bei mir gemeldet. Sowohl das Röntgen des Knöchels als auch die Biopsie sind ohne Befund. Die Wunde am Kopf ist anscheinend entzündet und soll jetzt mit einer speziellen Salbe behandelt werden. Die Beschwerden am Knöchel hängen wohl auch mit der Therapie zusammen, haben aber bisher keine weiteren Effekte. Also kann ich mich jetzt voll und ganz darauf konzentrieren, mich nach und nach so fit wie möglich für die nächste Gabe im April zu machen.

Die Weihnachtsplätzchen waren schuld, eine neue Strategie musste her

Ungefähr seit März/April 2020 hatte ich ein gleichbleibendes Gewicht von ca. 95 kg. Mein Startgewicht bei Diagnosestellung war 110 kg. Jedes einzelne der verloren Kilos hat mir gutgetan. Auch das Atmen fällt mit jedem verlorenen Kilogramm Übergewicht ein kleines bisschen leichter, das ist besonders gut beim Treppensteigen zu spüren. Ich habe die ganzen Monate das Gewicht, ohne mich darum kümmern zu müssen, gehalten.

 

Von Anfang Dezember bis zum Jahreswechsel war ich aber wohl etwas zu großzügig zu mir, sodass ich mit guten 100 Kilo Kampfgewicht am 4. Januar für die erste Gabe im neuen Jahr in den Ring gestiegen bin. Ich weiß noch ganz genau, wie mein behandelnder Arzt in der Klinik direkt nach der Begrüßung wie selbstverständlich bemerkte "Sie haben zugenommen, Herr Dittrich". Man konnte dabei sein spitzbübisches Lächeln sogar durch die Maske sehen. Er meinte das durchaus liebenswert und positiv, schließlich ist es ihm als Onkologe nicht unwichtig, wie sich meine Gesamtkonstitution während einer Therapie entwickelt. Schneller Gewichtsverlust ist da nicht gewünscht. Seit diesem Tag arbeite ich aber daran, dass er mir irgendwann einmal genauso lausbübisch sagt "Sie haben abgenommen, Herr Dittrich". Bisher leider ohne Erfolg :-).

 

Mein Idealgewicht würde irgendwo zwischen 70 und 80 Kilo liegen. Aber das ist nicht mein Ziel. In meiner Situation ist es immer besser, wenn man einen gewissen Puffer hat, um auch noch härtere Therapien verkraften zu können. Mein Wunschziel wären ca. 85 Kilo. Dann fällt mir vieles wieder etwas leichter und ich hätte ausreichend Reserven, um auch mal den einen oder anderen Tiefschlag locker auszuhalten. Stand Mitte März 2021 bin ich schon wieder etwas unter 95 Kilo. Aktuell habe ich endlich einmal die 93 unterschritten. Die 90 ist das nächste Etappenziel.

Ich habe dafür eigentlich nicht viel gemacht. Ich esse nur noch zwischen ca. 12 Uhr und 20 Uhr. Ich erlege mir aber keine weiteren Diäten auf. Ich achte einfach nur immer darauf, wirklich nur so viel zu essen, wie ich tatsächlich brauche. Ein gut gefüllter Teller Spaghetti reicht. Da muss ich mir nicht noch ein-, zweimal nachholen. Wichtig ist dabei für mich, dass gleich intelligenter gekocht wird. Wird nämlich zu viel gekocht, bringe ich es nicht fertig, das übrige Essen wegzuwerfen. Und schwupp, ist die Wampe wieder fett.

Die lange Pause zwischen den Mahlzeiten mache ich aus zwei Gründen. Ich bekämpfe damit das Essen aus Langeweile und möchte einer Diabeteserkrankung vorbeugen. Dafür bin ich in meiner Situation durchaus anfällig. Das will ich mir lieber erst gar nicht vorstellen. Bildlich sehe ich mich dann vor meinem inneren Auge hilflos im Bett liegen, mit einer leichten Schneekuppe auf meinem hohen Bauchberg und offenen Beinen.

Heute habe ich mir mal die Zeit genommen und habe alle Texte dieser Seite in einer PDF-Datei zusammengefasst. Das soll jedem die Möglichkeit geben, auch offline die Texte lesen zu können. Ich werde die Datei weiter pflegen und nach und nach auch jeweils die neuen Texte hinterlegen. Damit die Datei immer einfach zu erreichen ist, habe ich oben in der Navigation den Begriff "Flyer" aufgenommen.

Selbstgemachtes Kamillenöl

Morgen ist die letzte Gabe zwei Wochen her. Die Mukositis ist fast verschwunden. Die Zunge ist noch ein bisschen angeschwollen. Alles, was man isst, fühlt sich noch etwas merkwürdig an und das Geschmacksempfinden ist weiterhin beeinträchtigt. Aber alles voll im grünen Bereich. Die anderen Nebenwirkungen sind die ganze Zeit unverändert. Lediglich das Tränen der Augen wird etwas schlimmer. Die Augen tränen jetzt auch ohne Wind oder Zugluft. Das erschwert mir manchmal das Lesen. Beim Spazieren und Radfahren hilft mir die Laborbrille nach wie vor ganz gut. Aber die Nase leidet trotzdem unter dem ständigen Putzen. Gegen das Wundsein verwende ich selbst gemachtes Kokosöl mit Kamille.

Die dicken Beine belasten mich nicht mehr so arg. Ich trage seit einigen Wochen nur noch Wollsocken ohne Bund. Anfangs ist davon meine Haut oberhalb der Knöchel gereizt gewesen und teilweise aufgesprungen. Seit ich die Beine mit selbst gemachtem Kamillenöl einreibe, ist das aber verschwunden. Dieses alte Hausmittel ist leicht herzustellen und vielseitig einsetzbar. Man gibt einfach in ein leeres Schraubglas Kamillenblüten, füllt dann mit Rapsöl bis oben hin auf und lässt es mindestens 6 - 8 Wochen an einem warmen Ort stehen. Dann füllt man das fertige Öl durch einen Filter in ein anderes Schraubglas. Das so erhaltene Öl ist ohne Kühlung mindestens ein Jahr haltbar.

Der Tag begann für mich mit strahlendem Sonnenschein und einem ausgiebigen Sonnenbad. So ein Sonnenbad sieht bei mir im Moment so aus, dass ich mich in Winterklamotten auf den Balkon setze, die Beine hochlege und mich noch mit einer dicken Decke einmummele. Ein Tässchen Kaffee dazu und die wärmenden Sonnenstrahlen in Gesicht und auf der Glatze genießen. Das tut so unendlich gut. Relativ schnell stand für mich fest, dass heute der Tag der Tage sein soll. Der Tag, an dem ich endlich den tausendsten Kilometer mit dem E-Bike vollende. Nachdem meine Frau heute arbeiten muss, habe ich das alleine angehen müssen. Aber es ist geschafft. Von Hahn über Bleidenstadt nach Born. Zurück über Watzhahn und dann wieder nach Hahn. Ich war insgesamt ca. 15 Kilometer unterwegs. Ein gutes Gefühl, dass das Radfahren noch so gut funktioniert. Ich muss aber zugeben, dass ich den Akku nicht geschont habe. Obwohl ich nur 15 Kilometer gefahren bin, ist er schon zur Hälfte leer. Da war ich schon mal besser.

Heute kam überraschende Post. Das Versorgungsamt hat im Januar bei mir angefragt und eine routinemäßige Überprüfung meiner Einstufung als Schwerbehinderter angestoßen. Heute kam das Ergebnis. Ich wurde rückwirkend zum Februar 2020 von 80 % ohne Zusatzkennzeichen auf 100 % mit Kennzeichen G eingestuft. Das hat zwar keine gravierenden Folgen, aber es fühlt sich schon irgendwie seltsam an, wenn man amtlich so eingestuft wird. Das Kennzeichen G steht für eine erhebliche Gehbehinderung. Das machte mich etwas stutzig und ich habe vorsichtshalber beim Amt telefonisch nachgefragt. Die freundliche Dame hat mich aufgeklärt. Es geht um meinen grundsätzlichen Zustand, nicht um eine kurze Phase der Erholung. Erst wenn ich tatsächlich meine Wunderheilung verwirklicht habe, wünscht sich das Amt von mir eine Information. Das lässt schon Schlussfolgerungen zu, wie das Amt meine Perspektive einschätzt. Ich sehe es letztlich positiv. Auf meinem Weg zur Rente wird diese Einstufung wahrscheinlich eher hilfreich sein.

Am heutigen Freitag, dem 15. Tag nach der letzten Gabe, fühlt sich alles ein wenig seltsam an. Die Mukositis ist zwar im Großen und Ganzen weg, aber nach wie vor ist die Zunge sehr empfindlich. Das Augentränen hört überhaupt nicht mehr auf und die dicken Beine ärgern mich heute trotz Wassertablette ziemlich. Aber am unangenehmsten ist das Gefühl, dass das Atmen wieder deutlich schwerer geworden ist. Ich musste auf der Treppe heute wieder eine Pause machen. Da es die letzten Tage sehr trocken war, liegt das hoffentlich an den Frühblühern.

Am Vormittag bin ich mit dem Fahrrad zu meinem Hausarzt gefahren. Es war wieder Zeit für meine monatliche B12-Spritze und meine Krankmeldung. Das Radfahren hat zwar Spaß gemacht, ist mir aber auch schon recht schwergefallen. Den Spaziergang heute Nachmittag habe ich genauso anstrengend empfunden. Ich glaube, es ist mir einfach zu schnell warm geworden. Die Therapie macht anscheinend wetterfühlig. Jedenfalls werde ich jetzt erst einmal ein erholsames Schläfchen machen und freue mich auf einen riesigen Brokkoliberg zum Abendessen.

Das Wochenende ist schon wieder vorbei. Trotz meiner Müdigkeit und Abgeschlagenheit waren wir viel spazieren. Die Nebenwirkungen sind unverändert geblieben. Die Mukositis will einfach nicht ganz verschwinden. Die Woche muss ich mich noch gut erholen, da ich ja bereits am Donnerstag die nächste Gabe bekomme. Das ist dann schon die neunte Gabe der 2. Therapie. Dann stehe ich das ganze Osterfest lang unter Drogen. Mal was Neues :-).

Der März neigt sich langsam dem Ende zu. Übermorgen, also am Gründonnerstag, der dieses Jahr erstmals ein Feiertag sein sollte, aber dann doch nicht wurde, steht die nächste Gabe an. Ich freue mich schon darauf. Die Nebenwirkungen sind unverändert und so langsam startet der Frühling durch. Die beiden letzten Tage waren wunderbar warm mit um die 20°. Nachdem ich am Wochenende schon ordentlich angetrieben wurde und für meine Verhältnisse ausgesprochen viel spazieren war, hat mich heute nichts mehr zu Hause gehalten und ich habe eine kleine Radtour durch den Taunus gemacht. Nur knapp 20 km, aber dafür über Stock und Stein und mit heftigen Steigungen. Solange der Akku durchhält- kein Problem.

Der spanische Teil meiner tollen Familie hat sich mal wieder etwas ganz tolles ausgedacht. Es hat Ihnen nicht gereicht mir einfach so zu gratulieren. Sie sind  wieder zu dem weltbekannten Kloster auf dem Montserrat gefahren und haben eine liebevolles Video für mich gedreht. Ich bin total gerührt, nicht geschüttelt.

Wenn's nicht klappt: Ersatzlink

Wenn's nicht klappt: Ersatzlink

Bilder aus dem März 2021

Jeden Tag geschehen Wunder. Wir müssen sie nur zulassen.