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Mein Kampf gegen den Krebs

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Aufgeben ist keine Option

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Juni 2020

Der Juni beginnt genauso schön, wie der Mai geendet hat. Ich nutze das schöne Wetter um mich mit Radfahren fit für die nächste Therapie zu machen. Diese werde ich Mitte Juni bekommen. Danach ist dann bis Ende Juli abwarten angesagt. Denn erst dann wird die nächste CT-Untersuchung stattfinden und ausgewertet. 

Da ich auf dieser Seite aus meiner Sicht bereits alle wichtigen Themen abgearbeitet habe, bitte ich um Verständnis, wenn sich hier in den nächsten Tagen nicht so viel tut. Ich genieße dann, soweit möglich gemeinsam mit meiner lieben Frau, das herrliche Wetter.

Kaum schreibt man von dem schönen Wetter, setzt auch schon der Regen ein. Aber auch das ist für uns kein Problem. Dann wird eben auf dem Hometrainer geradelt und der Schwerpunkt auf geistiges Training gelegt. Auf Anregung meiner Frau trainiere ich zusammen mit ihr meine Konzentrationsfähigkeit und geistige Ausdauer mit puzzeln. Ich muss zugeben, es fällt mir im Moment schon ziemlich schwer, mich längere Zeit zu konzentrieren. Ich ermüde leider sehr schnell. Das erste Puzzle ist aber schon geschafft und Nachschub bestellt.

Heute, am Vorabend der vorerst letzten Immun- und Chemotherapie, lassen wir den Tag ganz gemütlich ausklingen. Morgen geht es dann sehr zeitig los. Schon um kurz nach 8 Uhr habe ich den Termin zur Blutabnahme. Vermutlich bin ich dann gegen 12 Uhr mit den Infusionen fertig. Danach beginnt dann die Wartezeit bis zur nächsten CT-Untersuchung, die für den 24.07. vorgesehen ist. Erst dann werden wir wissen, wie erfolgreich die zweite Staffel der Therapie war. Auch die weitere Vorgehensweise wird erst dann besprochen.

Wenn ich vergleiche, wie ich mich derzeit fühle und wie es mir im Januar gegangen ist, liegen da bereits Welten dazwischen. Im Januar haben wir noch darüber gesprochen, eine andere Wohnung zu suchen, da ich nur mit sehr viel Mühe und viel Zeit die Treppen bewältigt habe. Ebenso hatte ich die Befürchtung, bald für immer auf ein Sauerstoffgerät angewiesen zu sein. Im Moment sieht es glücklicherweise so aus, dass ich die Treppen wieder schaffe. Zwar langsam, aber ohne akute Atemnot. Ich bin immer noch extrem kurzatmig und bei allen Tätigkeiten ziemlich schnell erschöpft, aber ich akzeptiere meine Grenzen und lerne damit umzugehen. Was ich heute noch nicht schaffe, schaffe ich dann morgen oder nächste Woche. Manche Dinge brauchen eben ihre Zeit. Man darf nur nicht aufgeben oder den Mut verlieren. 

Heute war der Tag mit Therapie Nr. 6. Er begann für mich um 5.30 Uhr mit aufstehen und fertig machen für die Fahrt nach Frankfurt. Für eine Strecke benötigen wir ca. eine dreiviertel Stunde. Meine Frau hat mich kurz vor 8 Uhr an der Ambulanz abgesetzt und ist wieder zurückgefahren. Auf die Blutabnahme musste ich nicht lange warten. Allerdings dauerte es heute etwas länger, bis meine Therapie fertig zusammengestellt war. Gegen 11 Uhr ging es dann los. Wie immer zuerst mit der Immuntherapie. Diese Infusion dauert etwa eine halbe Stunde. Danach erfolgen Spülungen und kleine Medikamentengaben gegen Übelkeit. Gegen Viertel vor 12 Uhr ging es dann mit der eigentlichen Chemotherapie los. Die läuft immer ungefähr eine gute Stunde. Das ist dann die Zeit, in der ich meiner Frau kurz schreibe, wann ich ungefähr fertig bin und abgeholt werden möchte.

Aber heute lief es nicht ganz so glatt wie bisher üblich. Nachdem ungefähr dreiviertel der Therapieflüssigkeit durchgelaufen war, habe ich von einem auf den anderen Moment Husten und ein starkes Erkältungsgefühl bekommen. Inklusive Zahnschmerzen, Ohrendruck, zuschwellender Nase und einem Juckreiz, der sich alle paar Sekunden eine andere Körperregion als Tätigkeitsfeld ausgesucht hat. Selbstverständlich überwiegend an Stellen, die ich selbst nie im Leben hätte erreichen können. Natürlich habe ich die Schwester unverzüglich darauf angesprochen.

 

Sie hat äußerst professionell reagiert. Sie hat mich ganz ruhig angesprochen und von mir für sie wichtige Informationen abgefragt. Ihre Stimme und Körpersprache waren dabei so angenehm beruhigend, dass mir sofort klar war, es fühlt sich zwar sche.. an, ist aber harmlos. Binnen kürzester Zeit hat sie die Ärzte informiert und mir gleich zwei Medikamente verabreicht. Ab diesem Moment haben sich die Symptome nicht mehr weiter verstärkt. Einer der Ärzte war auch sofort da und hat mich in Augenschein genommen. Auch er hat mir sofort den Eindruck vermittelt, dass diese Reaktion nichts Außergewöhnliches oder Gefährliches ist. Wie von ihm prognostiziert, war der Spuk dann auch nach einer dreiviertel Stunde schon wieder vorbei. Als wäre nichts gewesen. Meine Frau hat mich dann abgeholt und wohlbehalten heimgebracht und ich habe mich nach einer kleinen Stärkung für ein paar Stunden Schönheitsschlaf zurückgezogen.

Als Fazit für den heutigen Tag möchte ich zwei für mich wichtige Dinge festhalten:

1. Die Betreuung im Nordwestkrankenhaus ist hoch professionell und die Mitarbeiter sind menschlich und fachlich sehr qualifiziert.

2. Ab heute kann ich endlich mitreden, wenn in den Patientengesprächen das Thema Nebenwirkungen aufkommt. 

Am ersten Tag nach der abgebrochenen Chemotherapie geht es mir gut. Alle Symptome von gestern kamen nicht mehr wieder. Alles ist wieder so, wie es sein soll. Nur ein bisschen müde bin ich noch. Aber das entsprechende Gegenmittel steht mir in beliebiger Menge und kostenlos zur Verfügung.

Am Montag nach der abgebrochenen Chemotherapie hat mir das Wetter endlich wieder eine Radtour ermöglicht. Highlight war für mich eine Schlange, auf die ich gestoßen bin. Erst dachte ich, dass das arme Tier tot sei. Sie lag regungslos auf dem Weg. Selbst das typische Züngeln hat sie unterlassen. Nach ein paar Minuten wurde ich immer mutiger und ging zum Fotografieren immer näher ran. Ich hatte nur mein Superweitwinkel dabei (8mm MFT/16mm  KB). Die Naheinstellgrenze sind nur wenige Zentimeter. Irgendwann kam ich der Schlange dann wohl doch zu nahe und sie hat sich für eine neue Strategie entschieden. Flucht statt Toter Mann.

Zum Glück bin ich nicht schreckhaft ... :-).

Durch den Abbruch der Therapie am Freitag haben sich nachträglich einige Terminänderungen ergeben. Mein betreuender Arzt möchte nicht bis Ende Juli auf das CT warten und hat mir für den 1.07. einen Termin besorgt. Direkt danach, am 3.07., habe ich dann einen neuen Therapietermin. Auch wenn ich wegen der abgebrochenen Therapie und des CTs ein bisschen gemischte Gefühle habe, freue ich mich sehr darüber, wie konsequent in der Nordwestklinik gehandelt wird und das es ohne Bruch weitergeht.

Am Tag fünf nach der letzten Therapie geht es mir gut. Nebenwirkungen verspüre ich weiterhin keine. Das Wetter ist mal wieder trocken, sodass ich bereits am frühen Morgen eine kleine Radtour machen konnte. Wie sich jetzt zeigt, eine gute Entscheidung. Den Rest des Tages werde ich witterungsbedingt, wahrscheinlich meinem Puzzle widmen.

Auch sechs Tage nach der letzten Therapie bleiben Nebenwirkungen glücklicherweise aus. Der Tag begann sehr sonnig und warm. Grund genug für mich, mal eine etwas längere Radtour zu unternehmen. Also habe ich mir den Rucksack gepackt und bin durch den Wald in den Rheingau gefahren. Mein Ziel war Eltville. Vielleicht ein bisschen zu ambitioniert, liegt Eltville doch nur auf 86 m über NHN und mein Wohnort auf ca. 390 m über NHN. Diese 300 m Höhenunterschied habe ich auf dem Rückweg deutlich zu spüren bekommen. Aber dank des E-Bikes habe ich es geschafft. Mit einem klassischen Fahrrad wäre ich wahrscheinlich schon auf dem Hinweg gescheitert. Insgesamt habe ich bei der Tour etwas über 40 km in ca. 2 1/2 Stunden reiner Fahrzeit zurückgelegt. Jetzt bin ich zwar ziemlich fertig, aber dafür ganz ordentlich stolz. 

Am Wochenende hat der Sommer begonnen. Ich muss zugeben, dass ich dieses Jahr das Frühjahr so intensiv erlebt habe, wie schon sehr lange nicht mehr. Seit Jahren hatte ich nicht mehr so viel gute Gründe und auch Gelegenheit, so viel Zeit in der Natur zu verbringen. Da ich spüre, dass mir die viele Bewegung an der frischen Luft sehr guttut, habe ich mir für den Sommer natürlich vorgenommen, in keiner Weise in meinen Bemühungen nachzulassen. Unser erster Sommerausflug für 2020 ging an den Ginsheimer Altrhein. Man fühlt sich sofort wie im Urlaub. Überall diese herrlichen Sommerdüfte. Ganz besonders das frische Heu rieche ich gerne. Direkt am Rhein gibt es das Hofgut Langenau. Dort ist man jederzeit gut auf einen Ansturm von Radfahrern und anderen Ausflüglern vorbereitet. Es war für uns seit Corona das erste Mal, dass wir mal wieder eingekehrt sind. Es war zwar sehr schön, aber diese ganzen Corona-Vorschriften sorgen dafür, dass sich alles etwas merkwürdig und seltsam anfühlt. Hoffentlich ist dieser Spuk bald vorbei.

Morgen ist für mich ein wichtiger Tag. Das nächste CT steht an. Ich muss zugeben, ein wenig aufgeregt bin ich schon. Ich habe wahrscheinlich eine vollkommen überzogene Erwartungshaltung. Das Ergebnis möchte mir mein betreuender Arzt nach Möglichkeit gleich morgen mitteilen. Mal abwarten, ob das umzusetzen sein wird. Ich werde es dann auf der Juli-Seite dann kundtun.

Es geht gleich am frühen Morgen los. Um 8 Uhr möchte ich in Frankfurt sein. Das bedeutet, dass der Tag für mich gegen 5.30 Uhr beginnen wird. Schließlich brauche ich etwas Zeit, bis ich morgens fertig bin. Heute habe ich es etwas ruhiger angehen lassen. Das liegt daran, dass seit einigen Tagen meine Augen fast ununterbrochen tränen. Erst habe ich das für Heuschnupfen gehalten, aber mittlerweile glaube ich eher, dass es auch mit der Chemotherapie zusammenhängen könnte. Mir läuft dadurch permanent die Nase. Da macht Radfahren keinen Spaß. Deshalb habe ich heute mal die Baustelle in unserer Straße etwas häufiger beobachtet. Bisher dachte ich, die Arbeiter wären gekommen, um die Kanäle und die Straße zu sanieren. Aber nachdem ich heute die Arbeitsgeschwindigkeit und die Körpersprache der Arbeiter etwas genauer gesehen habe, halte ich es eher für eine archäologische Ausgrabung. Funde aus der Römerzeit sind hier in der Limes-Region ja nichts Neues. Aber auch Spuren oder Überreste eines Neanderhahners wären mir plausibel :-).

Bilder aus dem Juni 2020

 

Jeden Tag geschehen Wunder. Wir müssen sie nur zulassen.