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Mein Kampf gegen den Krebs

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Aufgeben ist keine Option

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Februar 2021

Der Februar macht mir mit dem Wetter das Warten auf das CT und die Auswertung nicht unbedingt einfacher. Da ich bei so einem Wetter nicht so viel und so oft spazieren gehen kann wie ich gerne möchte, habe ich mal wieder mehr Zeit, meinen Gedanken nachzuhängen. Besonders der Reha-Antrag beschäftigt mich sehr.

Ich habe in den letzten Tagen noch ein bisschen mehr als sonst in mich hineingefühlt. Da die letzte Gabe jetzt ungefähr vier Wochen her ist, habe ich im Moment nur mit verhältnismäßig geringen Nebenwirkungen zu kämpfen. Trotzdem kann ich es mir, zumindest wenn ich ehrlich zu mir bin, beim besten Willen nicht vorstellen, wieder arbeiten zu gehen. Ich kann dem medizinischen Gutachten, das meine Krankenkasse beauftragt hat, im Moment leider nicht widersprechen. Sinngemäß ist dort zu lesen, dass mir auf nicht absehbare Zeit, weder meine bisherige noch eine andere Arbeit von wirtschaftlichem Wert, zugemutet werden kann. Die Reha, die ich aufgrund dieses Gutachtens beantragen soll, wird in genau diesem Gutachten übrigens als für mich nutzlos dargestellt.

Donnerstag, der 4. Februar 2021. Ein Tag, der sich bisher sehr wohltuend von seinen jüngsten Vorgängern unterscheidet. Ein Tag, der uns seit langem Mal wieder den Sonnenaufgang sichtbar präsentiert. Ein Tag, an dem die Vögel versuchen, sich mit ihrem Gesang gegenseitig zu übertreffen. Ein Tag, der einen den Frühling schon einmal erahnen lässt. Ein Tag, der es geschafft hat, meine Stimmung schon in den frühen Morgenstunden deutlich aufzuhellen. Es hat so gutgetan, heute Morgen in der Sonne zu sitzen, den Vögelchen zuzuhören und dabei die frische Morgenluft zu genießen. Kurz zusammengefasst, es könnte mein Tag werden.

Das Leben ist so schön, wenn man anfängt, die vielen Kleinigkeiten, die einem geboten werden, wahrzunehmen und zu genießen. Und wenn das Wetter in den nächsten Tagen und Wochen noch einmal meint, auf Winter machen zu müssen, ist mir das auch egal. Ich habe heute mal wieder einen kleinen Glücksmoment eingefangen und zu meiner mittlerweile sehr umfangreichen Sammlung getan. Bei Bedarf kann ich ihn jetzt jederzeit wieder auspacken und unbegrenzt oft neu genießen.

Mit dem Wochenende kommt bei uns so richtig tolles Regenwetter. Die von den Klimawandeljüngern prophezeite Dürre fällt bisher recht feucht aus. Dafür macht mir die Hitzewelle echt zu schaffen :-). Genau die richtige Zeit zu überlegen, als was man dieses Jahr an Fastnacht geht.

 

Hier ein paar erste Ideen:

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Dr Evil.png
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Soll ich als Baby von vorne anfangen, als Dr. Evil die Weltherrschaft übernehmen, mich als Käpt'n Jack Sparrow durch's Leben schwindeln oder doch lieber als Marilyn den Männern die Herzen brechen. Eine sehr schwere Entscheidung, sind mir doch alle Rollen förmlich auf dem Leib geschrieben.

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Ich war wohl schon immer so

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Damals, allein zu haus

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Ein zauberhaftes Kerlchen

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Meine Jugendzeit

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Natürlich könnte ich auch in meiner bisherigen Paraderolle als Cindy aus Marzahn gehen. Das war am Rosenmontag 2012 im Büro ein echter Brüller. So schnell kam ich später nie wieder in die betrieblichen Schlagzeilen. Da man dieses Jahr leider nicht wirklich feiern kann, werde ich wohl eher eine der virtuellen Möglichkeiten (REFACE APP) vorziehen. Das spart Zeit, Geld und Kraft.

 

Diese Bilder hier stammen aus einer Zeit, in der ich noch im Männerballett der Hahner Kerbegesellschaft aktiv war, den Stifterappelern:

2012 02 17 - 21 10 FUJIFILM FinePix J30
2010 01 24 - 11 14 FUJIFILM FinePix J30
2008 02 01 - 23 19 Panasonic DMC-LZ1 - 0
2009 01 31 - 17 58 Panasonic DMC-LZ1 - 0
PHOTOLEMURE_2011 10 09 - 15 56 FUJIFILM
Cindy aus Marzahn - Nich jeder Prinz kommt uffm Pferd

Zu diesem Lied habe ich in der Saison 2012 getanzt. Na ja, ich war halt jung und brauchte das Geld :-)

Noch ein bisschen Fastnacht

So, jetzt aber schnell zurück zum Ernst des Lebens. Die nächste Woche beginnt gleich morgen mit der Blutabnahme beim Hausarzt und am Donnerstag darf ich dann endlich zum CT. Der Termin ist gleich morgens um 8 Uhr. Die Wetterlage macht das vielleicht ein bisschen spannend. Jedenfalls werden wir zeitig genug losfahren. Vorsichtshalber werden wir noch neue Winterreifen aufziehen lassen, die alten Reifen haben uns auf Schnee und bei starkem Regen sehr enttäuscht. Wir gehen da lieber kein Risiko ein. Schließlich sind die Reifen die einzige Verbindung zur Straße. Wenn die nichts taugen, hilft auch das beste Auto nichts.

Obwohl ich mich weder schminken noch frisieren muss, brauche ich im Bad immer noch recht lange. Deshalb wird für mich die Nacht am Donnerstag spätestens um 4.30 Uhr zu Ende sein. Dann kann ich mich in aller Ruhe fertig machen, ein lecker Käffchen trinken und notfalls noch ein bisschen Schnee räumen, bevor es dann endlich losgeht.

Altweiber


Nein, nicht weil meine Frau schon wieder ein Jahr älter geworden ist, sondern weil es Fastnacht-Donnerstag ist. Ich bin zwar nicht der geborene Fastnachter, obwohl ich gebürtiger Mainzer bin, aber seit meiner Zeit im Männerballett weiß ich die fünfte Jahreszeit durchaus zu schätzen. Aber das soll hier und heute nicht das Thema sein.

Heute war das CT. Der Ablauf war super. Terminiert war das CT für 8 Uhr. Aufgrund des leichten Schneefalls in der letzten Nacht sind wir zeitig losgefahren. Meine Frau hat mich schon gegen 7.30 Uhr am Krankenhaus abgesetzt und ist dann weiter zum Parkhaus gefahren. Ich bin direkt zur Anmeldung für das CT gegangen. Sofort bekam ich den Aufklärungsbogen. Noch bevor ich diesen fertig ausfüllen konnte, wurde ich bereits in die Umkleidekabine gebeten. Kaum hatte ich gerade mal die Jacke aus, kam auch schon ein junger und überaus freundlicher Arzt zu mir. Er führte mit mir das Aufklärungsgespräch und setzte mir gekonnt den Zugang für das Kontrastmittel. Dann ging es auch schon los. Um ziemlich genau 8 Uhr war das CT fertig. Ich musste dann nur noch die übliche viertel Stunde warten, bevor mir die Nadel wieder gezogen wurde. Schneller kann es wirklich nicht gehen. Einfach toll.

Ich musste mir im Krankenhaus zwar von mehreren Angestellten Hinweise und Nachfragen gefallen lassen, da ich keine medizinische Maske getragen habe. Aber sie waren alle nett und freundlich. Auf meinen Hinweis auf das Attest und meinen Lungenkrebs reagierten alle mit viel Verständnis und wirkten betroffen. Niemand bestand darauf, das Attest zu sehen. Einige andere hatten auch Gefallen an meiner Maske, schließlich ist heute Altweiberfastnacht und ich hatte mein rotes HELAU-Dreieckstuch an. Eine Schwester rief im Vorbeigehen spontan "helau" und tanzte ein paar Schritte.

Meine Frau und ich haben uns dann am Haupteingang der Klinik getroffen und sind gemeinsam zum Parkhaus marschiert. Kein langer Weg, aber bei der Kälte
(in Frankfurt waren es ca. -7°) ist das für mich nicht wirklich angenehm. Wir waren ganz überrascht, wie wenig Parkgebühren wir diesmal zahlen mussten. Sowohl auf Hin- und Rückfahrt gab es keinerlei witterungsbedingte Probleme. Einzig die neue Verkehrsführung und Ampelschaltung in Wiesbaden auf dem 1. Ring ist einfach katastrophal. So wird Verkehrspolitik zum Trauma für alle Beteiligten. Mehr Stau, mehr Dreck und Mehrverbrauch an Kraftstoffen aller Art kann man künstlich nicht provozieren. Am meisten leiden wahrscheinlich die Anwohner und die Rad- und Rollerfahrer darunter. Es ist mit Sicherheit nicht von Vortteil, wenn reine Ideologie die Vernunft und die Erfahrung von Jahrzehnten  ersetzen. Wie auch schon Wiesbaden bewiesen hat, ist es mitunter sogar lebensgefährlich.

Vor- und Umsicht ja, auf jeden Fall, Angst nein, denn ich will leben ...

​Morgen werde ich das Ergebnis des CT's erfahren. Ich muss zugeben, dass mich das im Vorfeld nicht kaltlässt. Ich bin zwar davon überzeugt, dass das Gesamtbild der Tumore und Metastasen wahrscheinlich nicht schlechter geworden ist, aber die Ungewissheit genügt, um für etwas innere Unruhe zu sorgen. Glücklicherweise bin ich ziemlich gefestigt und leide nicht darunter. Die Dinge sind wie sie sind und kein Mensch auf dieser Welt lebt ewig. Auch für mich wird das Leben da voraussichtlich keine Ausnahme machen. Mir ist aber dadurch eben bewusst geworden, wie viel Angst ich in den letzten Tagen in den Augen vieler Menschen gesehen habe. Seltsamerweise noch nicht mal in der onkologischen Ambulanz, sondern im täglichen Leben. Beim Spazierengehen erlebt man es immer öfter, dass Menschen auch an der frischen Luft Masken tragen und sich beim Vorbeigehen verhalten, als wenn ihnen ein bösartiger Wolf mit fletschenden Zähnen entgegenkäme. Immer öfter wird ein freundliches "Guten Tag" nur noch gequält oder gar nicht mehr erwidert. Viele schauen einen nicht mal mehr an, blicken ängstlich nach unten und drehen den Kopf demonstrativ zur Seite. Wie ein kleines Kind, das sich die Hände vor die Augen hält, um damit vor Gefahren geschützt zu sein.

Ich kann nur an jeden appellieren, sich von dieser Angst so weit wie nur möglich zu befreien. Angst kann langfristig für den Einzelnen genauso gefährlich und tödlich sein wie Viren. Angst tötet langsam. Ich bin z. B. davon überzeugt, dass
(ganz vereinfacht ausgedrückt) mein Krebs letztendlich auch nur "fleischgewordene" Angst ist. Angst ist grundsätzlich eine wichtige Schutzfunktion für das Überleben. Nimmt sie aber überhand, wird sie selbst zur Gefahr für das Leben. Sie erstickt förmlich das Leben mit ihrem Würgegriff. Alltägliches wird zuerst schwer, dann vielleicht sogar unmöglich. Wer in Angst lebt, macht plötzlich nur noch schlechte Erfahrungen. Aber nicht, weil wirklich alles so schlimm und gefährlich ist, sondern weil plötzlich alles als schlimm und gefährlich empfunden wird. Der nette Gruß des Nachbarn wird so plötzlich als Angriff auf die eigene körperliche Unversehrtheit empfunden. Man hat irgendwann zu niemandem mehr Vertrauen und vereinsamt. Das Leben wird dann langsam so quälend, dass man zuerst innerlich stirbt, der Körper folgt dann etwas später.

Es ist nicht einfach Ängste zu überwinden. Wie alles, was sich nur im Kopf abspielt, so kann man auch Angst nicht einfach so abschalten. Medikamente sind da genauso wenig hilfreich wie Alkohol. Nur die Ehrlichkeit zu sich selbst wird einem helfen. Gesteht euch die Angst ein und traut euch im zweiten Schritt auch mit anderen offen darüber zu reden. Ihr werdet sehen, ganz langsam gewinnt ihr Sicherheit und Lebensqualität zurück, die euch die Angst genommen hatte.

Erste Zwischenbilanz 2021

Um es kurz zu machen, das erste CT in 2021 ist ausgewertet. Mein behandelnder Arzt hat diese Woche Urlaub. Seine Vertretung ist aber ebenso kompetent und liebenswert. Er freute sich sichtlich, mir die gute Nachricht zu überbringen. Für den Laien liest sich der Befund ziemlich durchwachsen. Vieles ist unverändert, anderes ist größer geworden und manches ist sogar etwas kleiner als im November 2020. Der Fachmann hat es recht einfach und einleuchtend in einen einzigen Satz gepackt: Herr Dittrich, die Krankheit schläft. Aus seiner Sicht ist das ein großer Erfolg. Die bisherige Therapie wird nahtlos weitergeführt. Bereits am Donnerstag erhalte ich die nächste Gabe. Nach insgesamt drei Gaben in Abständen von wieder drei Wochen ist dann das nächste CT fällig. Das wird dann Ende April Anfang Mai der Fall sein.

Voraussichtlich wird mir dieser Rhythmus bis an mein Lebensende erhalten bleiben. Wenn sich die Nebenwirkungen dabei im Rahmen halten, soll mir das recht sein. Das bekomme ich schon in den Griff. Die letzten Monate ging es ja schließlich auch recht gut. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an so etwas wie die Mukositis gewöhnen kann, wenn man es nur möchte. Und glaubt mir, ich möchte. Ich kann doch unmöglich die Hochzeiten meiner Söhne verpassen. Die Erste wird in diesem Sommer sein, die Zweite lässt noch etwas auf sich warten. Aber das spornt mich nur weiter an. Disziplin ist angesagt und meine Frau und ich werden bestimmt nicht müde, der Krankheit immer wieder ein Lullaby zu singen.

Heute mal auf Platz 001

Am heutigen Donnerstag ging es wieder los nach Frankfurt. Es war eine wunderschöne Fahrt in einen tollen Sonnenaufgang. Mein Sohn war so lieb, mich zu fahren. Da er gerne zeitig zur Arbeit kommt und ich ebenfalls gerne in der Ambulanz zu den Ersten gehöre, war ich schon kurz vor halb acht in der Ambulanz. Die Maschine mit den Wartenummern, wie man sie auch von verschiedenen Behörden kennt, spukte heute für mich zum ersten Mal die Nr. 001 aus. Dementsprechend wurde mir auch schon vor 8 Uhr die Nadel für den Port gesetzt und das Blut abgenommen. Es wird immer zuerst die Nadel für den Port gesetzt. Wenn darüber die Blutentnahme möglich ist, ist man schon fertig. Bei mir wollte der Port mal wieder nicht so richtig und man hat mir das Blut dann kurz entschlossen in der Armbeuge abgezapft. Da es weder ungewöhnlich noch bedenklich ist, wenn über einen Port manchmal keine Blutentnahme möglich ist, kümmert mich das nicht weiter.

 

Um dem Massenansturm etwas zu entgehen, habe ich mich heute in den Wartebereich im ersten Stock zurückgezogen. Dort ist normalerweise eine Palliativstation, die im Moment verlegt worden ist. Es ist für mich mental ein zweiseitiges Schwert. Auf der einen Seite ist es angenehm ruhig und ich kann manchmal sogar etwas legerer mit der Maske umgehen, aber andererseits steht da ein Puppenhaus, eine Spielzeugkiste und es gibt eine Fensterbank mit Kinderbüchern und Teddybären. Mir kommen da gerne mal die Tränen. Einerseits vor Dankbarkeit, weil wir zwei gesunde und mittlerweile auch erwachsene Kinder haben und andererseits aus Schmerz, da mich das Leid von Kindern ganz besonders mitnimmt und belastet.

Heute konnte ich mir gar nicht so viele Gedanken machen. So lange ich dort noch alleine war, habe ich telefonisch meinen nächsten Hausarzttermin ausgemacht. Die Praxis ist zu Recht sehr beliebt. Da kann es schon einmal etwas dauern, bis man dann tatsächlich durchkommt. Insgesamt musste ich nur knapp zwei Stunden warten, bis ich in den Therapiebereich gebeten wurde. Die Infusionen dauern dann mit allem drum und dran ca. zweieinhalb Stunden. Meine Frau konnte mich dann schon gegen 12.30 Uhr wieder abholen.

Bisher verlief alles wieder reibungslos und ohne Probleme. Es ist immer wieder schön, wie liebevoll die Mitarbeiter in der Ambulanz sind. Die eigentlichen Nebenwirkungen werden erst in den nächsten Tagen einsetzen. Heute habe ich nur Müdigkeit mitgebracht. Dafür davon aber eine ganze Menge. Also habe ich zu Hause nur eine Kleinigkeit gegessen und dann in aller Ruhe den Nachmittag verschlafen. Ich muss zugeben, das hat mir gut gefallen.

Bei einer Fernsehserie wäre das gestern die 7. Folge der 2. Staffel gewesen. Auch heute fühle ich mich noch gut. Die Müdigkeit und das ewige Augentränen bleiben stabil bis leicht zunehmend. Das Nasenbluten hat sich noch nicht verschlimmert. Auch die Pegelstände des Wassers in den Beinen scheinen noch nicht anzusteigen. Etwas beunruhigend finde ich aber, dass ich schon heute so ein leichtes Kribbeln im Mund verspüre. Ich befürchte, dass sich damit die Mukositis ankündigt. Vielleicht bin ich im Moment aber auch nur übersensibel. Ich werde es bald wissen. Zugegebener weise wäre mir das Kribbeln an anderer Stelle viel sympathischer. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich ganz herzlich bei meiner geliebten Frau bedanken, die sich ganz außergewöhnlich um mich kümmert. Und ja, ich kenne dieses Kribbeln auch nach über 36 Jahren noch.

Gestern haben wir bei nahezu frühlingshaften Wetter einen ausgiebigen Spaziergang gemacht. Erstaunlicherweise war ich danach gar nicht so erschöpft, wie ich eigentlich erwartet hatte. Das liegt bestimmt nicht nur an dem wärmeren Wetter und dem schönen Sonnenschein, sondern auch daran, dass wir unterwegs eine liebe Freundin getroffen haben und uns so richtig nett festgeschwätzt haben. Das tut der Seele so gut.

Heute, am zweiten Tag nach der 7. Gabe, spüre ich im Mund noch etwas deutlicher die aufziehende Mukositis. Glücklicherweise noch ganz harmlos. Die anderen Nebenwirkungen haben bisher noch nicht weiter zugelegt. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Auf jeden Fall gute Voraussetzungen dafür, dass wir heute bei ebenso schönem Wetter wieder etwas länger vor die Tür gehen können. Der beeindruckende Sonnenaufgang verheißt jedenfalls Schoneinmal nur Gutes.

Tag drei nach der 7. Gabe ist nicht nur einfach ein Sonntag, es ist der erste richtige Frühlingstag in diesem Jahr. Mit Sonnenschein vom frühen Morgen bis zum Abend. Vor einer Woche waren es noch -12°, heute Mittag zeigte das Thermometer über 16° an. Fast 30° Unterschied in nur einer Woche. Kein Wunder, das ich so unverschämt müde bin. Wir waren heute bei uns in der Nähe an einem kleinen See spazieren. Wir waren dort nicht ganz allein. Verständlicherweise hält es bei diesem Wetter niemanden mehr in der Wohnung. Auffällig sind vor allem die Radfahrer. Von jetzt auf gleich sind sie plötzlich überall. Egal ob man als Autofahrer auf der Bundesstraße oder als Spaziergänger im Wald unterwegs ist, sie kommen von überall her. Ganz besonders auffällig finde ich die Herren, die augenscheinlich auf das Rentenalter zusteuern, sich mit Gewalt in die engsten Radlerhosen und Trikots quetschen, immer besonders coole und meist bunte Sonnenbrillen tragen und am Rastplatz ein großes Weizen nach dem anderen Trinken. Ihr Fahrstil ist nach meinem Empfinden viel zu oft von dem trügerischen Gefühl der ewigen Jugend und der eigenen Unsterblichkeit geprägt.

Heute, am 5. Tag nach der Gabe, habe ich das ganz große Glück, dass sich die Mukositis immer noch stark zurückhält. Bisher habe ich nur dieses Kribbeln in der Zunge und an den Wangeninnenseiten. Die Zunge fühlt sich etwas geschwollen an und der Rachen kratzt und brennt etwas. Aber ich habe noch keine offenen Stellen an der Zunge. Das ist super. Ich würde mich schon sehr freuen, wenn das so bleiben würde, aber so richtig glaube ich da noch nicht dran. Aber egal, heute ist alles super und ich fühle mich richtig gut.

 

Das war gestern und vorgestern Abend leider etwas anders. Es hat sich jeweils eine bisher nicht gekannte Übelkeit eingestellt. Vorgestern hat mich die Übelkeit die ganze Nacht begleitet. Ein sehr unangenehmes Gefühl. So eine Mischung von "das hätte ich lieber nicht essen sollen" und "das war wohl doch zu viel Whisky". Glücklicherweise blieb es beim Brechreiz und den unangenehmen Gefühlen. Ich selber wäre nicht darauf gekommen, aber meine liebe Schwiegertochter (in spe) erinnerte mich gestern daran, dass ich mit Beginn der ersten Therapie vorsorglich auch ein Medikament gegen Übelkeit bekommen habe. Und siehe da, kaum geschluckt ist wenige Minuten später die Übelkeit verschwunden und es geht mir blendend. Das Augentränen und das Nasenbluten sind mittlerweile genauso meine "neue Normalität" wie die dicken Beine und verdienen daher nicht jedes Mal eine erneute Erwähnung. Die Dinge sind nun einmal wie sie sind und mir geht es für die Schwere meiner Erkrankung supergut. Das mache ich mir doch mit so ein paar Kleinigkeiten nicht selbst kaputt. Es geht einem doch viel besser, wenn man, dass eine oder andere einfach ignoriert, am besten sogar vergisst und dafür die kleinen Erfolge so groß wie möglich feiert. Dann scheint die Sonne auch mal bei Regen, ist doch cool, oder?

Am Ende des 5. Tages nach der Gabe fängt die Mukositis doch noch so richtig an. Sie steht zwar noch nicht in voller Blüte, aber das kommt dann halt morgen. Unabhängig davon war es ein wunderschöner Tag. Mein Tagespensum an Bewegung haben wir durch einen ausgiebigen Spaziergang im Schlosspark in Biebrich erfüllt. Es waren am Nachmittag sage und schreibe etwas über 20°. Zur Feier dieses tollen Tages gibt es heute Abend Spaghetti mit grünem Pesto. Das konnte ich bisher immer essen, egal was sich im Mund gerade abspielt.

 

Am Tag sechs nach der Gabe kommt die Mukositis langsam in Fahrt. Aus Erfahrung kann ich sagen, da geht noch was. Die Zunge hat wieder erste offene Stellen und weitere deuten sich an. Den Rest der Woche gibts für mich nur noch Spaghetti mit grünem Pesto. Aber das finde ich nicht schlimm. Ganz im Gegenteil. Ich esse sie dann mittags genauso gerne wie abends. Das macht für meine Frau auch das Einkaufen einfacher. Gleichzeitig werde ich immer einsilbiger. Bei Mukositis macht Sprechen irgendwann keinen Spaß mehr. Glücklicherweise verstehen meine Frau und ich uns nach über 36 Jahren auch wortlos, wobei die Wortlosigkeit sich natürlich lediglich auf mich bezieht. Ich bin mir im Moment gar nicht mehr so sicher, ob ich meine Frau jemals mit geschlossenem Mund gesehen habe :-).

Antrag auf Leistungen zur Teilhabe für Versicherte - Rehabilitierungsantrag

Dann komme ich mal wieder auf mein derzeitiges Lieblingsthema zurück. Ich war seit Erhalt des Schreibens der Krankenkasse nicht untätig. Ich habe versucht, mich möglichst vollumfänglich zu informieren. Ich muss aber zugeben, dass ich mich trotzdem oder vielleicht gerade deswegen komplett überfordert fühle.

Letztendlich läuft alles unweigerlich darauf hinaus, dass ich die Rente beantragen muss. Es ist eigentlich nur zu klären, welches der beste und sinnvollste Weg für mich ist. Es könnte so einfach sein, wenn da nicht die
(zumindest für mich) verwirrende Sozialgesetzgebung wäre.

​Ich habe in der letzten Zeit verschiedenes angestoßen. Unter anderem habe ich auch einen Anwalt, der mir speziell für dieses Themengebiet empfohlen wurde, kontaktiert. Da ich nicht gleich eine Rückmeldung bekam, habe ich vorsichtshalber auch schon Kontakt mit dem VdK aufgenommen. Schließlich möchte ich nicht, dass mir dann irgendwann plötzlich die Zeit davon läuft.

Gestern Abend, ich wollte mich gerade zu meinen Spaghetti mit Pesto auf den Weg machen, klingelte mein Handy. Ich war ziemlich überrascht, als sich der Anwalt meldete. Wir haben dann eine ganze Weile miteinander telefoniert. Ich habe das Gespräch als sehr angenehm und den Anwalt als sehr freundlich empfunden. Die für mich wichtigste Information war, dass die Hinterbliebenenrente nichts mit der Erwerbsminderungsrente zu tun hat. Gleichzeitig empfahl er mir, noch ganz schnell am Abend dem Bescheid vom Januar bei der Krankenkasse zu widersprechen. Das hätte letztlich nur eine aufschiebende Wirkung und wäre für mich mit keinerlei Nachteilen verbunden, also völlig gefahrlos.

​Und jetzt geht es Schlag auf Schlag. Heute Morgen klingelt schon wieder mein Handy. Diesmal ein ebenso freundlicher Vertreter des VdK. Er kam auch auf das Thema Widerspruch, hat mir aber davon abgeraten, da man damit nicht viel erreichen könne, aber Gefahr laufe, bei Ablehnung des Widerspruchs bereits gezahltes Krankengeld zurückerstatten zu müssen. Und da die Krankenkasse alleine über den Widerspruch entscheidet, könne ich mir vorstellen wie das ausgeht.

Irgendwie habe ich jetzt schon wieder Geprächsbedarf ...

 

Trotz Lockdown Saisoneröffnung

Was soll man nur machen, wenn man verquere Gedanken im Kopf hat, Essen und Trinken zur Ablenkung ausfallen und man eigentlich zu überhaupt nichts Lust hat? Einen Brief muss ich auch noch verschicken. Da fällt mir ein, ich habe nicht mal eine Briefmarke. Meine Güte war das peinlich, wie viel Umschläge ich verdruckt habe, bis der Drucker endlich gemacht hat, was ich für richtig hielt.

In dieser Gemengelage habe ich mich spontan dazu entschlossen, dass schöne Wetter auszunutzen und meine persönliche E-Bike-Saison zu eröffnen. Nur ein kleiner Ausflug. Gerade einmal 5 km. Die Tausendermarke auf dem Tacho ist jetzt also nur noch 25 km entfernt. Schon ein kleiner Ansporn, aber heute wird das nichts mehr. Ich habe nur kurz den Postladen besucht und dann im Nachbarort meine liebe Frau kurz bei der Arbeit gestört. Insgesamt funktioniert sowohl am Rad und auch bei mir noch alles Wesentliche. Bei gutem Wetter und vollem Akku werden wir dieses Jahr bestimmt wieder einige Kilometer zusammenbekommen. Jetzt muss noch der Fahrradträger organisiert werden und es kann zur Sache gehen.

Der Februar geht schon wieder zu Ende. Heute ist der neunte Tag seit der letzten Gabe. Ich habe den Eindruck, dass die Mukositis gestern ihren Höhepunkt hatte und ganz langsam etwas besser wird. Per saldo kann ich sagen, dass diesmal die Mukositis vergleichsweise harmlos war. Da habe ich schon ganz anderes erleben dürfen. Leider kann ich nicht genau sagen, woran das liegt, aber ich denke schon, dass mehrere Faktoren daran schuld sind. Zum einen denke ich, dass die dauerhafte Einnahme von Glutamin Verla ein wichtiger Faktor sein könnte. Zum anderen gehe ich davon aus, dass die extreme Mundhygiene, die ich betreibe, einen wichtigen Beitrag geleistet hat. An dieser Stelle noch einmal einen besonderen Dank an meine Schwester, die auf die Idee mit dem Xylitol kam.

Die nächsten Tage werden wir wieder versuchen, so viel wie möglich draußen an der frischen Luft zu unternehmen. Radfahren kommt für mich aber erst ab mindestens 16 - 17° und Sonnenschein infrage. Also werden wir jetzt am Wochenende viel spazieren gehen. Sobald der Radträger für das Auto da ist und sicher montiert ist, werden wir bei entsprechendem Wetter auch wieder die andere Rheinseite unsicher machen.

Das letzte Februarwochenende hatte es in sich. Zwar wieder kühleres, dafür aber supersonniges Wetter. Der Fahrradträger ist früher gekommen als erwartet. Natürlich habe ich ihn gleich ausgepackt und ausprobiert. Alles funktioniert so wie es sein soll. Trotz Auffahrschiene habe ich mich ganz schön anstrengen müssen, die Räder drauf zu packen. Aber mit ein bisschen Übung wird es mir bestimmt leichter fallen. Weit anstrengender war die Beseitigung des Papiermülles. Diesen riesigen Karton zu zerreißen hat mich doch arg ins Schwitzen gebracht.

Wenn es etwas wärmer gewesen wäre, hätten wir bestimmt sofort einen Ausflug mit den Rädern gemacht. So blieb es bei schönen Spaziergängen mit Teilen der Familie. Meine Mukositis ist fast ganz verschwunden. Das ist so ein tolles Gefühl. Das bisschen Kribbeln im Mund fällt gar nicht mehr auf. Der Rest ist ziemlich unverändert. Also ständiges Augentränen und starke Müdigkeit, immer wieder Nasenbluten und Beine wie ein kleiner Elefant. Passt aber irgendwie zu mir. Genau genommen könnte der Elefant mein Wappentier sein. Von kräftigem Körperbau und zartem Gemüt :-).

Wenn's nicht klappt: Ersatzlink

Wenn's nicht klappt: Ersatzlink

Bilder aus dem Februar 2021